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DWG, IFC, PDF/A, E57 — welches Datenformat brauchst du wofür?
Standards & Grundlagen

DWG, IFC, PDF/A, E57 — welches Datenformat brauchst du wofür?

6. Mai 2026

Drei Szenen, wie sie jede Woche passieren: Ein Architekturbüro bekommt eine IFC-Datei geliefert, öffnet sie in Archicad — und sieht leere Räume ohne Bauteilzuordnung. Ein Bestandshalter bestellt „die Pläne als PDF", reicht sie beim Bauamt ein — und bekommt die Unterlagen mit dem Vermerk „kein PDF/A" zurück. Ein Entwickler braucht DWG-Pläne für den Notar, bekommt Version 2024 geliefert — das Notariat arbeitet mit einem Viewer, der maximal Version 2018 öffnet.

Drei Formate, drei Empfänger, drei Brüche. Keiner davon liegt an fehlender Kompetenz. Alle drei entstehen, weil eine Frage zu spät gestellt wurde: Welches Format braucht dein Empfänger-System tatsächlich?

Wenn du in Architektur, Planung, Bestandshaltung oder Entwicklung mit Gebäudedaten arbeitest, ist dieser Artikel dein Entscheidungs-Werkzeug. Du erfährst, welches der vier praxisrelevanten Formate — DWG, IFC, PDF/A, E57 — wofür taugt, wo die typischen Bruchstellen liegen und welche Fragen du stellen musst, bevor eine Datei geliefert wird.

Die vier Formate auf einen Blick

Es gibt nicht das eine richtige Format. Es gibt vier Formate für vier Aufgaben. Die folgende Tabelle zeigt dir, welches Format in welchem Anwendungsfall greift — und wo es typischerweise bricht.

Format In der Planung In der Bestandshaltung / FM Im Aufteilungs- und Verkaufsverfahren Typische Bruchstelle
DWG Planungsgrundlage in AutoCAD und kompatiblen CAD-Programmen. Direkt bearbeitbar, Layer-Struktur nutzbar. Dokumentation, Mietflächenpläne (wenn CAD-basiert). Aufteilungspläne für Notar und Grundbuchamt, Verkaufsunterlagen. Versions-Inkompatibilität: DWG 2024 vs. DWG 2018. Empfänger-Software öffnet neuere Version nicht vollständig.
IFC BIM-basierte Weiterverarbeitung in Archicad, Revit, Allplan. Modell mit Bauteil-Logik. Import in CAFM-/FM-Software zur Datenverknüpfung. Selten direkt verwendet. Indirekt als Grundlage für abgeleitete Pläne. Schema-Version (IFC4 vs. IFC4.3), MVD-Profil und PropertySet-Mapping passen nicht zur Empfänger-Software.
PDF / PDF/A Planfreigabe zur Ansicht (nicht bearbeitbar). Behördenvorlagen. Langzeit-Archivierung, digitale Aktenführung, Mieterdokumentation. Bauanträge, Notariatsvorgänge, Grundbucheintragung. PDF/A (ISO 19005) zunehmend Pflicht. PDF statt PDF/A geliefert, wo PDF/A erwartet wird. Behörden-Upload scheitert, weil Konformitätsstufe fehlt oder falsch ist.
E57 Rohdaten-Grundlage für Modellierung. Punktwolke als Referenz. Bestandsdokumentation, Zustandserfassung als 3D-Datensatz. Nachweis-Dokumentation des erfassten Zustands. Punktwolke ohne Registrierung oder ohne Georeferenzierung geliefert. Einzelscans passen nicht zusammen oder liegen nicht im Koordinatensystem.

Eine Regel, die aus dieser Tabelle folgt: Wer „alles in einer Datei" anfordert, hat den Sinn der Trennung nicht verstanden. Jedes Format bedient einen anderen Empfänger-Workflow. Die richtige Frage ist nicht „Welches Format ist das beste?" — sondern „Was macht mein Empfänger mit der Datei?"

DWG: der pragmatische Planungs-Standard im deutschen Markt

DWG (Drawing) ist das native CAD-Format von Autodesk — proprietär, seit 1982 auf dem Markt und in der deutschen Planungsrealität der dominierende Standard für 2D-Pläne. AutoCAD und kompatible CAD-Programme lesen DWG, aber Funktionsumfang und Versionskompatibilität variieren.

Warum das wichtig ist: DWG-Dateien tragen eine Versions-Kennung (z. B. „DWG 2018", „DWG 2024"). Ein Empfänger-Programm, das nur bis Version 2018 liest, zeigt bei einer 2024er-Datei entweder Fehler oder öffnet sie gar nicht. Das ist kein Argument gegen DWG — es ist ein Argument für ehrliche Versions-Kommunikation.

Was du beim Beauftragen wissen solltest:

  • Frag deinen Empfänger nach der DWG-Version, die sein System verarbeitet.
  • Kläre die Layer-Struktur vor der Beauftragung: Layer-Benennung und -Hierarchie sind nicht standardisiert und unterscheiden sich zwischen Anbietern. Frag deinen Lieferanten nach seinem Layer-Standard und prüfe, ob der zu deinem Workflow passt.
  • DWG ist kein offener Standard. Wenn herstellerunabhängige Weiterverarbeitung wichtig ist, prüfe, ob IFC die bessere Wahl wäre.

In der Praxis bleibt DWG der pragmatische Standard, weil die Mehrheit der deutschen Architektur- und Ingenieurbüros in AutoCAD-kompatiblen Systemen arbeitet. Das Format funktioniert — solange Absender und Empfänger über die Version sprechen.

IFC: der offene Standard, der eine Abstimmungs-Frage ist

IFC (Industry Foundation Classes) ist das offene Austauschformat für BIM-Daten, normiert als DIN EN ISO 16739-1:2024-09. Im Unterschied zu DWG transportiert IFC nicht nur Geometrie, sondern auch Bauteil-Logik: Eine Wand ist nicht nur eine Linie, sondern ein definiertes Bauteil mit Typ, Lage und verknüpfbaren Eigenschaften.

Das klingt nach der idealen Lösung — und ist trotzdem die Stelle, an der die meisten Lieferungen scheitern. Warum?

IFC ist kein statisches Produkt, sondern eine fortlaufende Abstimmungsfrage. Drei Variablen entscheiden, ob eine IFC-Datei im Zielsystem ankommt:

  1. Schema-Version: IFC4 (Add2 TC1) und IFC4.3 (Add2, als ISO 16739-1:2024 veröffentlicht) sind die aktuell relevanten Versionen. Nicht jede Software unterstützt beide gleich vollständig.
  2. MVD (Model View Definition): Eine MVD definiert, welche Teilmenge des IFC-Schemas im Austausch verwendet wird — z. B. Coordination View oder Reference View. Stimmt die MVD nicht mit den Erwartungen des Empfängers überein, fehlen Informationen oder die Datei wird als „leer" angezeigt.
  3. PropertySets: Die Eigenschaftsgruppen, die Bauteilen zugeordnet sind. Standard-PSets (von buildingSMART vordefiniert) und projektspezifische PSets unterscheiden sich. Ein Empfänger-System, das bestimmte PSets erwartet und andere bekommt, zeigt leere Eigenschaftsfelder.

Daraus folgt eine unbequeme Wahrheit: Eine IFC-Datei kann technisch korrekt sein und im Zielsystem trotzdem unbrauchbar ankommen. „Saubere IFC" ist kein Lieferanten-Versprechen — es ist ein Empfänger-Begriff. Was sauber ist, bestimmt das Zielsystem.

Was du beim Beauftragen wissen solltest:

  • Nenne deinem Lieferanten das Empfänger-System (Software, Version).
  • Kläre die Schema-Version: Braucht dein System IFC4 oder IFC4.3?
  • Frag nach der MVD: Coordination View, Reference View oder eine andere?
  • Wenn dein System bestimmte PropertySets erwartet, gehört das in die Vorab-Abstimmung mit dem Lieferanten — und gehört geprüft, ob der Lieferant diesen Mapping-Aufwand übernehmen kann.
  • Lieferanten, die behaupten, ihr IFC „funktioniert überall", haben die Format-Frage nicht zu Ende gedacht. Software-Implementierungen sind unterschiedlich — verantwortliche Lieferanten klären die Empfänger-Seite ab, statt einen Hausstandard zu behaupten.

BIM ist die Methode, IFC ist das Format. Wer „ein BIM-Modell" bestellt und dabei IFC meint, kauft einen Begriff, der alles und nichts bedeuten kann. Präzise Sprache im Auftrag spart Geld nach der Lieferung.

PDF und PDF/A: Anzeige-Format vs. Archivierungs-Standard

PDF (Portable Document Format, ISO-Standard 32000) ist das universelle Anzeige-Format: visuell eingefroren, überall lesbar, nicht zum Weiterbearbeiten gedacht. Für die meisten Alltagszwecke reicht ein normales PDF.

Sobald es um Behörden, Notariate oder Langzeit-Archivierung geht, reicht es nicht mehr. Hier kommt PDF/A ins Spiel — eine eingeschränkte, für Langzeitarchivierung normierte PDF-Variante nach ISO 19005.

Der Unterschied in einem Satz: Ein normales PDF zeigt heute korrekt an. Ein PDF/A zeigt in zwanzig Jahren noch korrekt an — weil es keine externen Abhängigkeiten (Schriften, Verknüpfungen, Multimedia) mitschleppt.

Wo PDF/A verlangt wird:

  • Bauanträge und behördliche Einreichungen (je nach Bauvorlagenverordnung des jeweiligen Bundeslandes zunehmend PDF/A-2u oder PDF/A-3)
  • Notariatsvorgänge und Grundbucheintragungen
  • Digitale Aktenführung in der öffentlichen Verwaltung
  • Langzeit-Archivierung von Bestandsunterlagen

Die Konformitätsstufen: PDF/A existiert in mehreren Teilen (PDF/A-1 bis PDF/A-4) und Konformitätsstufen (A, B, U). Die Unterschiede liegen im Grad der Text-Durchsuchbarkeit und der erlaubten Funktionen. In der Praxis der Bestandsdokumentation sind PDF/A-2u (zuverlässige Unicode-Textsemantik) und PDF/A-3 (mit eingebetteten Anhängen) am relevantesten.

Was du beim Beauftragen wissen solltest:

  • Frag deinen Empfänger: „Brauchst du PDF oder PDF/A — und wenn PDF/A, welche Konformitätsstufe?"
  • Wenn die Antwort „PDF reicht" lautet, frag nach: „Auch für die Langzeit-Ablage?" Viele Empfänger denken nicht an die Archivierungs-Frage, bis die Datei im System liegt.
  • Ein normales PDF lässt sich nicht verlustfrei in PDF/A „umwandeln". Die Konformität muss bei der Erstellung stimmen — nachträgliche Konvertierung kann Darstellungsfehler erzeugen.

E57: das hersteller-neutrale Punktwolken-Format

Bevor ein Gebäude modelliert wird, wird es erfasst. Das Ergebnis eines 3D-Scans ist eine Punktwolke — Millionen bis Milliarden von Messpunkten im Raum, die die Geometrie des Gebäudes als Roh-Datensatz abbilden.

Jeder Scanner-Hersteller hat ein eigenes proprietäres Format für diese Daten. Damit du als Auftraggeber nicht an einen Hersteller gebunden bist, gibt es E57 — ein offenes, hersteller-neutrales Format für 3D-Bilddaten, normiert als ASTM E2807.

E57 speichert Punktwolken, zugehörige Bilder und Metadaten in einem binär-XML-Hybrid-Format. Die meisten Scan-Hersteller und CAD-Systeme können E57 lesen und schreiben. Das macht es zum Standard-Lieferformat, wenn Punktwolken herstellerunabhängig weitergegeben werden sollen.

Zwei Begriffe, die nicht verwechselt werden dürfen:

  • Registrierung: Die interne Zusammenführung mehrerer Einzel-Scans zu einer Gesamt-Punktwolke. Ohne Registrierung liegen die Einzelscans unverbunden nebeneinander.
  • Georeferenzierung: Die Einbindung der Punktwolke ins amtliche Koordinatensystem (Lage in ETRS89, Höhe in DHHN2016). Eine registrierte Punktwolke ist in sich stimmig — aber nicht zwingend im amtlichen Festpunktnetz verortet.

Beides sind eigenständige Leistungen, nicht automatische Bestandteile eines Scans.

Was du beim Beauftragen wissen solltest:

  • Frag: „Wird die Punktwolke registriert und als zusammenhängende Gesamt-Aufnahme geliefert?"
  • Frag: „Brauche ich eine Georeferenzierung — und wenn ja, in welchem Bezugssystem?"
  • Frag: „In welchem Format kommt die Punktwolke — proprietäres Herstellerformat oder E57?"
  • Wenn dein Empfänger-System ein bestimmtes proprietäres Format besser verarbeitet, klär das vorab. E57 ist der neutrale Standard, aber nicht in jeder Software die performanteste Option.

Eine knappe Orientierung, mit welchem Format du in welcher Situation typischerweise arbeitest:

  • Du planst und dein Empfänger arbeitet in CAD-Software → in der Regel DWG.
  • Du übergibst an ein BIM-System (Archicad, Revit, Allplan) → in der Regel IFC, mit vorab geklärter Schema-Version.
  • Du reichst bei Behörde, Notar oder Grundbuchamt ein → in der Regel PDF/A in der Konformitätsstufe, die der Empfänger vorgibt.
  • Du archivierst langfristig → PDF/A für Dokumente, E57 für Scan-Rohdaten.
  • Du brauchst Scan-Daten für Modellierung → E57, mit Klärung von Registrierung und Georeferenzierung.

Diese Liste ersetzt nicht die Abstimmung mit dem konkreten Empfänger-System — sie zeigt die wahrscheinliche Richtung.

Die typischen Bruchstellen — und wie du sie verhinderst

Format-Brüche entstehen fast immer zwischen Lieferant und Empfänger — nicht in der Datei selbst. Die folgenden Fragen kannst du vor der Beauftragung stellen, um die häufigsten Probleme zu verhindern.

„Welche DWG-Version unterstützt dein Zielsystem?"
AutoCAD-Versionen sind nicht vollständig abwärtskompatibel. Eine neuere DWG in einem älteren Viewer verliert Elemente oder öffnet gar nicht.
„Welche IFC-Schema-Version erwartet deine Software?"
IFC4 und IFC4.3 sind nicht identisch. Eine Software, die nur IFC4 vollständig implementiert hat, kann mit IFC4.3-spezifischen Klassen nichts anfangen.
„Welches MVD-Profil braucht dein System?"
Coordination View und Reference View transportieren unterschiedliche Informationsmengen. Falsches MVD bedeutet: Datei öffnet sich, aber Informationen fehlen.
„Brauchst du PDF oder PDF/A — und welche Konformitätsstufe?"
Behörden-Portale prüfen zunehmend automatisiert. Ein normales PDF wird beim Upload abgelehnt, wenn PDF/A vorgeschrieben ist.
„Soll die Punktwolke georeferenziert sein — und wenn ja, in welchem Bezugssystem?"
Registrierung (intern stimmig) und Georeferenzierung (amtlich verortet) sind zwei verschiedene Dinge. Was davon gebraucht wird, hängt vom Verwendungszweck ab.
„Welche PropertySets erwartet dein BIM-Viewer oder deine FM-Software?"
Leere Eigenschaftsfelder im Empfänger-System entstehen, wenn die gelieferten PSets nicht den erwarteten entsprechen.
„Kann dein System E57 direkt importieren — oder braucht es ein herstellerspezifisches Format?"
E57 ist der neutrale Standard, aber nicht jede Software verarbeitet ihn gleich performant. Manchmal ist das native Herstellerformat die pragmatischere Wahl.

Vom Bestandsobjekt zur Datei beim Empfänger

1
Objekt vor Ort
Zugangsfrage: Sind alle Bereiche erreichbar?
2
Erfassung (Scan)
Registrierung: Hängen die Scans zusammen?
3
Modellierung
Weißes Geometriemodell als zentrale Quelle
4
Ableitung
Format-Entscheidung: DWG, IFC, PDF/A, E57
5
Empfänger-System
Passt Version, Schema, Konformität?

Jeder Pfeil in dieser Kette ist eine potenzielle Bruchstelle. Wer die Fragen aus der Liste oben vorab klärt, verhindert den häufigsten Fehler: eine technisch einwandfreie Datei, die im Empfänger-System nicht ankommt.

Wie wir mit den Formaten umgehen

Bei SMART+AGILE entsteht aus dem 3D-Scan ein zentrales Geometriemodell — ein weißes Geometriemodell, geometrisch exakt, angelehnt an LOD 300, ohne Material- und Bauteileigenschaften, ohne TGA. Dieses Modell ist die eine Quelle, aus der alle Datenpaket-Deliverables abgeleitet werden: DWG-Pläne, IFC-Export, PDF/A-Dokumente.

Die Punktwolke (E57) ist das Ergebnis der Vor-Ort-Erfassung und steht als eigenes Datenpaket zur Verfügung — registriert, auf Wunsch georeferenziert.

Die Format-Frage lösen wir nicht durch behauptete Allzweck-Standards, sondern durch Abstimmung. Für DWG-Lieferungen fahren wir einen eigenen Layer-Standard, der für die meisten Architektur- und Planungs-Workflows passt — wenn dein Empfänger-System eigene Layer-Erwartungen hat, klären wir vorher, was übernommen werden kann. Welche IFC-Schema-Version dein System braucht, welche DWG-Version dein Empfänger liest, welche Konformitätsstufe dein Behörden-Portal verlangt — diese Fragen gehören in den Auftrag, und wir stellen sie aktiv, bevor wir liefern.

Wenn du dir nicht sicher bist, welches Format für deinen Anwendungsfall das richtige ist — oder ob dein Empfänger-System Anforderungen stellt, die du noch nicht kennst — frag uns. Ein kurzes Gespräch klärt die Format-Frage, bevor sie zum Reklamationsgrund wird.

Die Übersicht der fünf SMART+AGILE-Datenpakete zeigt dir, welches Paket welche Formate enthält und was du dazu buchen kannst.

Über den Autor

Wolfgang S. Becker

Geschäftsführer von SMART+AGILE, spezialisiert auf BIM, 3D-Laserscanning und Bestandsdigitalisierung.

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