Fassade mit markiertem Fenster und demselben Fenster vergrößert mit Rahmen, Flügeln und Maßlinien: LOG 300 im Bestandsmodell

LOG 300: was das Bestandsmodell zeigt und was nicht

21. September 2026

In deinem Angebot steht „3D-Bestandsmodell in LOG 300“. LOG steht für Level of Geometry. Vielleicht kennst du LOD 300 aus der Neubauplanung und fragst dich, ob das dasselbe ist. Dieser Artikel sagt dir, was in einem Bestandsmodell in LOG 300 steckt, was bewusst fehlt und wofür es in deinem Vorhaben reicht.

Die kürzeste Antwort

LOG 300 heißt: Jedes Bauteil steht im Modell in seiner tatsächlichen Form, Größe und Lage. Die Wand ist so lang, so dick und so hoch wie gebaut. Das Fenster sitzt dort, wo es sitzt, in der Größe, die es hat. Die Treppe hat ihre Stufen, das Dach seine Neigung.

Mehr sagt die Angabe nicht. Über Material, Bauteileigenschaften oder Haustechnik macht die Stufe keine Aussage. Das Bestandsmodell von SMART+AGILE ist deshalb ein weißes Geometriemodell: Bauteile in Form, Größe und Lage, ohne Material- und Bauteileigenschaften und ohne technische Gebäudeausrüstung (TGA).

Das ist die Regel. Der Rest des Artikels zeigt dir, woher die Kürzel kommen und welche Bauteile im Modell stehen. Du erfährst, warum die „300“ nichts über Genauigkeit sagt und was in deine Anfrage gehört.

LOD, LOG, LOI: drei Kürzel, drei Fragen

Gesucht wird meist nach LOD 300. LOD steht für Level of Development. Das Konzept kommt aus den USA. Es beschreibt in Stufen von 100 bis 500, wie weit ein Modellelement entwickelt ist. Ursprünglich umfasste das Geometrie und Informationen am Bauteil; die aktuelle LOD Specification des BIMForum behandelt nur noch die Geometrie. Definiert hat die Stufen das American Institute of Architects. Das BIMForum beschreibt sie in seiner LOD Specification im Detail.

In der deutschsprachigen Praxis wird dieser Entwicklungsstand oft in zwei Teile zerlegt. LOG, Level of Geometry, beschreibt die Geometrie. LOI, Level of Information, beschreibt die Angaben, die am Bauteil hängen: Material, Brandschutzklasse, Hersteller, Wartungsintervall. Dazu kommt eine dritte Frage, die mit beiden oft verwechselt wird: Wie nah liegt das Modell am gebauten Bestand?

Geometrie Information Genauigkeit
Die Frage Wie detailliert ist das Bauteil geformt? Was weiß das Modell über das Bauteil? Wie nah liegt das Modell am Bestand?
Das Kürzel LOG LOI kein Teil der Stufe
Im Bestandsmodell von SMART+AGILE LOG 300: tatsächliche Form, Größe und Lage bewusst nicht enthalten eigene Angabe, siehe unten

Wir sagen LOG 300, weil unser Modell genau den geometrischen Teil trägt. Im Markt wird LOD 300 meist noch als Geometrie mit Informationen am Bauteil verstanden, und diese Informationen hat ein weißes Geometriemodell nicht.

Noch etwas solltest du wissen: Die „300“ ist eine Konvention der Branche, abgeleitet aus den amerikanischen LOD-Stufen. Die aktuelle Norm zum Thema ist die DIN EN ISO 7817-1:2024-11 zur Informationsbedarfstiefe, die wir im Artikel LOD, LOG, LOI, LOIN erklären. Sie hat die DIN EN 17412-1 abgelöst. Ihr Grundgedanke: Festgelegt wird vom Zweck her. Wofür wird das Modell gebraucht, und welche Geometrie, welche Angaben und welche Dokumente braucht es dafür? Für dich heißt das: Eine Stufenzahl im Angebot ist eine Kurzform. Verlässlich wird sie erst durch die Liste dessen, was im Modell steht.

Die Begriffe in je einem Satz

  • LOD (Level of Development): Entwicklungsstand eines Modellelements; ursprünglich Geometrie und Information, in der aktuellen LOD Specification nur die Geometrie.
  • LOG (Level of Geometry): der geometrische Teil, also Form, Größe und Lage.
  • LOI (Level of Information): die Angaben am Bauteil, etwa Material oder Brandschutz.
  • Informationsbedarfstiefe: der Begriff der aktuellen Norm; festgelegt wird vom Zweck her.

Was das Bestandsmodell in LOG 300 zeigt

Am einfachsten siehst du die Stufe an einem einzelnen Bauteil.

Eine Außenwand mit Fenster in vier Stufen: LOG 100 als Körper ohne Öffnung, LOG 200 mit ungefährer Öffnung, LOG 300 mit Fenster samt Rahmen und Flügeln in richtiger Lage, LOG 400 mit Schichtaufbau, Sturz und Fensterbank. LOG 300 ist hervorgehoben.
Dieselbe Wand in vier Stufen. In LOG 300 stimmen Form, Größe und Lage, Fenster und Türen haben Rahmen und Flügel. Schichtaufbau und Anschlussdetails gehören zu höheren Stufen.

Grundlage des Modells ist der 3D-Laserscan der gesamten Immobilie: alle Geschosse innen, dazu Außenanlagen und die sichtbaren, zugänglichen Fassaden. Aus der registrierten Gesamtpunktwolke modellieren wir das Gebäude Bauteil für Bauteil.

Im Modell stehen:

  • tragende und nichttragende Wände
  • Decken und Böden
  • Dach und Dachstuhl
  • Stützen und Unterzüge
  • Treppen
  • Fenster und Türen, mit Rahmen und Flügel
  • die Fassade

Außenanlagen modellieren wir vereinfacht. Sie sind so weit enthalten, dass sie im Plan sauber darstellbar sind und die Höhenbezüge stimmen. Jede Bordsteinkante und jeden Pflanztrog findest du im Modell nicht.

Zwei Dinge solltest du über die Art der Modellierung wissen.

Das Modell ist idealisiert, wo es der Planung hilft. Kaum eine Wand im Bestand steht exakt lotrecht, kaum eine Ecke hat genau 90 Grad. Kleine Abweichungen zeichnen wir gerade, deutliche Schrägen und Verformungen modellieren wir so, wie sie gebaut sind. Das macht es zu einer Planungsgrundlage, mit der du in den gängigen CAD- und BIM-Programmen arbeiten kannst. Die tatsächliche Verformung geht dabei nicht verloren: Sie steckt in der Punktwolke. Wenn Verformungen für dein Vorhaben zählen, nimm die Punktwolke (E57) dazu.

Modelliert wird, was der Scanner sieht. Bereiche, die verdeckt oder nicht zugänglich sind, können wir nicht modellieren. Ein verschlossener Kellerraum, ein Hohlraum über der abgehängten Decke oder das Innere einer Wand stehen nicht im Modell.

Was es bewusst nicht zeigt

Was fehlt, warum es fehlt und woher du es bekommst:

Nicht im Modell Warum Woher du es bekommst
Kleine Abweichungen von Lot und rechtem Winkel werden gerade gezeichnet aus der Punktwolke (E57)
Material und Schichtaufbau für den Scanner unsichtbar Bauteilöffnung, Bauakte
Bauteileigenschaften wie Brandschutz, Schallschutz, Wärmeschutz, Tragfähigkeit nicht messbar Fachplaner, Nachweise, Bauakte
Technische Gebäudeausrüstung (TGA) nicht Teil des Modells Aufnahme durch den Fachplaner
Möblierung und Ausstattung nicht Teil des Modells in der Punktwolke sichtbar
Verdeckte und nicht zugängliche Bereiche nicht erfassbar erst nach Öffnung oder Zugang erfassbar

Der schlanke Umfang ist eine Entscheidung. Ein Laserscanner erfasst Oberflächen. Er sieht, wo eine Wand steht und wie dick sie ist. Er sieht nicht, ob sie aus Ziegel oder Bims besteht und welche Feuerwiderstandsklasse sie hat. Angaben dazu wären im Bestandsmodell Vermutungen. Deshalb lassen wir sie weg.

Das weiße Geometriemodell trennt beides sauber. Die Geometrie kommt aus der Messung. Alles, was Bauteilöffnung, Bauakte oder Fachplaner beitragen, kommt von denen, die es wissen.

Dasselbe Modell ist bei SMART+AGILE die Single Source of Truth des Projekts. Aus ihm leiten wir das IFC-Modell, die CAD-Pläne, den Aufteilungsplan und die Flächen nach GIF ab. Grundriss und Schnitt passen deshalb zusammen. Sie stammen aus derselben Geometrie.

Die Stufe ist keine Genauigkeitsangabe

Das ist der häufigste Denkfehler: LOG 300 klingt nach einer Präzisionsklasse. Die Stufe beschreibt aber nur, wie detailliert ein Bauteil geformt ist. Wie nah diese Form am gebauten Bestand liegt, steht auf einem anderen Blatt.

Zwei Modelle können beide LOG 300 sein und unterschiedlich gut zum Gebäude passen. Die Genauigkeit entsteht in drei Schritten: bei der Erfassung vor Ort, bei der Registrierung der Punktwolke und bei der Modellierung. International gibt es dafür eine eigene Spezifikation neben den LOD-Stufen, den Level of Accuracy des U.S. Institute of Building Documentation. Auch das zeigt: Detaillierung und Genauigkeit sind zwei Angaben.

Für deine Anfrage heißt das: Frag nach beidem getrennt. Welche Bauteile stehen in welcher Detaillierung im Modell? Und wie wird geprüft, dass Modell und Punktwolke zusammenpassen? Die Idealisierung gehört in diese Frage hinein. Wo kleine Abweichungen gerade gezeichnet sind, weicht das Modell bewusst leicht vom Bestand ab. Das ist gewollt und in der Punktwolke nachvollziehbar.

Wie die Genauigkeit eines Aufmaßes entsteht und wie du eine Angabe liest, erklärt der Artikel Wie genau ist ein Bestandsaufmaß?

Wofür LOG 300 reicht und wo du ergänzt

Such dein Vorhaben in der Tabelle:

Dein Vorhaben LOG 300 Was das heißt
Entwurfs- und Umbauplanung reicht Du planst auf der tatsächlichen Geometrie
Bestandspläne 1:100: Grundrisse, Schnitte, Ansichten reicht Die Pläne werden aus dem Modell abgeleitet
Flächen nach DIN 277, WoFlV oder MF-GIF 2023 reicht Flächen kommen aus der Raumgeometrie
Aufteilungsplan für Wohnungseigentum reicht Der Plan entsteht aus dem Bestandsmodell
Bauantrag im Bestand reicht als Grundlage Bestandspläne sind die Basis, alles Weitere ergänzt der Entwurfsverfasser
Ausführungsplanung im Detail reicht als Grundlage Schichtaufbau und Anschlüsse ergänzt du
Tragwerk und Verformung du ergänzt Querschnitte aus dem Modell, Verformung aus der Punktwolke, Material aus der Untersuchung
TGA-Planung du ergänzt Das Modell liefert die Hülle, die Technik nimmst du selbst auf
Betrieb und Facility Management reicht als Grundlage Räume und Bauteile stehen bereit, die Angaben hängst du an

Das weiße Geometriemodell ist das Skelett deines Gebäudes. Gemeint ist das wörtlich: Jedes Bauteil und jeder Raum hat im Modell einen festen Ort. An diesen Ort lässt sich Information anhängen: im Planungsmodell des Architekten oder im Fachmodell des Tragwerksplaners. Dasselbe gilt für die Gebäudeplattform, die du über die Zeit mit deinen Bestandsdaten füllst. Die Geometrie misst du einmal. Die Information wächst mit dem, was du über dein Gebäude lernst.

Modelle mit höherem Informationsgehalt haben einen anderen Zweck. Ein Ausführungsmodell im Neubau weiß, welcher Dämmstoff in der Wand steckt, weil der Planer ihn festgelegt hat. Im Bestand muss dieses Wissen erst erhoben werden. LOG 300 ist dafür der passende Ausgangspunkt.

Was du in deiner Anfrage festhalten solltest

Vier Punkte verhindern die meisten Missverständnisse.

1. Der Zweck. Schreib in die Anfrage, wofür du das Modell brauchst: Umbauplanung, Aufteilung, Flächen, Betrieb. Aus dem Zweck ergibt sich, was im Modell stehen muss. So denkt auch die aktuelle Norm.

2. Der Bauteilumfang. Verlass dich auf die Liste. Die Zahl allein sagt zu wenig. Lass dir sagen, welche Bauteile modelliert werden, wie Fenster und Türen dargestellt sind und wie mit Außenanlagen umgegangen wird. Frag, ob idealisiert modelliert wird.

3. Das Format. Für die Weiterarbeit im BIM-Programm brauchst du das IFC-Modell. Für die klassische Planung brauchst du CAD-Pläne als DWG und PDF. Zählen Verformungen, gehört die Punktwolke (E57) dazu. Das Modell bekommst du als IFC. Die Projektdatei, in der wir modellieren, bleibt bei uns.

4. Die Genauigkeit. Sprich sie getrennt von der Stufe an. Frag, wie Erfassung, Registrierung und Modellierung geprüft werden.

Was du jetzt hast

Du kannst die Zeile aus dem Angebot lesen. LOG 300 heißt: Bauteile in tatsächlicher Form, Größe und Lage, Fenster und Türen mit Rahmen und Flügel, gerade gezeichnet, wo es der Planung hilft, ohne Material, ohne Bauteileigenschaften, ohne TGA. Die Stufe sagt nichts über die Genauigkeit. Und sie ist eine Konvention, die erst durch die Bauteilliste verbindlich wird.

Wie das Modell entsteht, von der Erfassung bis zum fertigen Bestandsmodell, liest du im Artikel zum Scan-to-BIM-Workflow. Was IFC als Format kann und wann du DWG oder PDF brauchst, erklärt der Beitrag zu DWG, IFC, PDF und E57. Wenn du ein Bestandsmodell als Planungsgrundlage brauchst, findest du die passenden Datenpakete auf der Seite Planen: das IFC-Modell für die BIM-Weiterverarbeitung, die CAD-Pläne für die klassische Planung.

Über den Autor

Wolfgang S. Becker

Geschäftsführer von SMART+AGILE, spezialisiert auf BIM, 3D-Laserscanning und Bestandsdigitalisierung.

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