In einer Ausschreibung steht „Modell in LOD 300“, in der nächsten „LOIN gemäß AIA“, im Angebot „LOG 300“. Gemeint ist jedes Mal die Frage, was im Modell stecken soll. Beantwortet wird sie aber in verschiedenen Sprachen. Dieser Artikel sortiert die vier Kürzel, zeigt, was davon genormt ist, und gibt dir eine Vorlage, mit der du deinen Bedarf so beschreibst, wie es die aktuelle Norm vorsieht.
Die kürzeste Antwort
LOD, LOG und LOI sind Begriffe aus der Praxis. Sie arbeiten mit Stufenzahlen wie 100, 200 oder 300. LOIN steht für Level of Information Need, auf Deutsch Informationsbedarfstiefe. Dahinter steht die Norm DIN EN ISO 7817-1:2024. Sie kennt keine Stufenzahlen. Sie beschreibt, wie du vom Zweck her festlegst, welche Informationen ein Modell liefern soll.
Eine Zahl wie 300 ist deshalb eine Kurzform. Verbindlich wird sie erst, wenn dazu beschrieben ist, was im Modell steht.
Vier Kürzel, zwei Welten
Die Stufen kommen aus den USA. Das American Institute of Architects hat den Level of Development eingeführt, das BIMForum beschreibt die Stufen in seiner LOD Specification. In der deutschsprachigen Praxis wird der Entwicklungsstand oft in Geometrie und Information zerlegt. So entstanden LOG und LOI. Was LOG 300 im Bestandsmodell konkret bedeutet, erklärt der Artikel LOG 300: was das Bestandsmodell zeigt und was nicht.
Die Norm geht einen anderen Weg. Sie beginnt beim Zweck.
| Kürzel | Ausgeschrieben | Herkunft | Was es beschreibt | Genormt? |
|---|---|---|---|---|
| LOD | Level of Development | AIA, BIMForum (USA) | Entwicklungsstand der Geometrie eines Bauteils, Stufen 100 bis 500; die aktuelle LOD Specification behandelt nur die Geometrie | keine DIN- oder ISO-Norm |
| LOG | Level of Geometry | Praxis | den geometrischen Teil: Form, Größe, Lage | kein Begriff der ISO 7817-1 |
| LOI | Level of Information | Praxis | die Angaben am Bauteil, etwa Material oder Brandschutz | kein Begriff der ISO 7817-1 |
| LOIN | Level of Information Need | DIN EN ISO 7817-1:2024 | welche Informationen für welchen Zweck zu welchem Zeitpunkt geliefert werden | ja, ohne Stufen |
Ein häufiger Stolperstein ist der Level of Detail. Er wird ebenfalls LOD abgekürzt, meint aber nur, wie fein ein Bauteil dargestellt ist. Das BIMForum grenzt ihn ausdrücklich vom Level of Development ab. Wenn in einem Dokument „LOD“ steht, frag nach, welches von beiden gemeint ist.
Was die Norm festlegt
Die DIN EN ISO 7817-1:2024-11 heißt „Bauwerksinformationsmodellierung – Informationsbedarfstiefe – Teil 1: Konzepte und Grundsätze“. Sie hat die DIN EN 17412-1 abgelöst. Sie gilt für den ganzen Lebenszyklus eines Bauwerks, von der Planung über den Betrieb bis zum Rückbau, und damit auch für den Bestand.
Zwei Gedanken aus der Einleitung der Norm sind für die Praxis wichtig. Erstens soll die Informationsbedarfstiefe verhindern, dass zu viel geliefert wird. Mehr Information ist nicht automatisch besser, sie muss zum Zweck passen. Zweitens rät die Norm selbst davon ab, die Informationsbedarfstiefe mit einem Kürzel zu bezeichnen, weil das die Sache zu sehr vereinfacht. Eine Angabe wie „LOIN 300“ gibt es nach der Norm deshalb nicht.
Zwei weitere Teile der Normreihe sind in Arbeit: ein Leitfaden für die Anwendung und ein Datenmodell. Für deine Anfrage brauchst du sie nicht.
Vom Zweck zur Lieferung
Die Norm baut die Informationsbedarfstiefe in zwei Schritten auf.
Zuerst die Voraussetzungen. Vier Fragen klären den Rahmen:
- Zweck: Wofür wird die Information gebraucht, etwa für eine Umbauplanung oder für den Betrieb?
- Zeitpunkt: Zu welchem Meilenstein im Projekt wird geliefert?
- Beteiligte: Wer liefert die Information, und wer nutzt sie?
- Objekte: Für welche Bauteile oder Räume gilt die Anforderung?
Dann der Inhalt. Was geliefert wird, beschreibt die Norm in drei Teilen:
- Geometrische Informationen: wie die Objekte im Modell geometrisch dargestellt sind.
- Alphanumerische Informationen: wie die Objekte bezeichnet sind und welche Angaben an ihnen hängen.
- Dokumentation: welche Dokumente zur Lieferung gehören, etwa Pläne oder Berichte.
Der Unterschied zur Stufenlogik liegt in der Reihenfolge. Eine Stufe legt den Inhalt fest und überlässt dir, ob er zum Zweck passt. Die Norm beginnt beim Zweck und leitet den Inhalt daraus ab.
Wo LOG und LOI darin stehen
LOG entspricht grob den geometrischen Informationen, LOI grob den alphanumerischen. Das BIMForum sieht seine LOD-Stufen inzwischen ausdrücklich als Ergänzung zur Norm: Mit einer Stufe lässt sich der geometrische Teil der Informationsbedarfstiefe beschreiben, den Rest regelt die Norm. Die Dokumentation fehlt in beiden. Sie ist aber oft das, was du am Ende tatsächlich brauchst, etwa Grundrisse und Schnitte als PDF.
Die Geometrie zerlegt die Norm in fünf Aspekte. Grob gesagt:
- Detail: wie fein das Bauteil dargestellt ist, von vereinfacht bis detailliert.
- Dimensionalität: ob als Punkt, Linie, Fläche oder Körper.
- Lage: wo das Bauteil sitzt und auf welchen Bezug sich die Lage bezieht.
- Erscheinung: ob symbolisch oder realitätsnah dargestellt.
- Parametrisches Verhalten: ob sich die Form über Parameter ändern lässt.
Eine Stufe wie LOG 300 bündelt mehrere dieser Aspekte in einer Zahl. Die Norm lässt dich jeden Aspekt einzeln beschreiben. Das ist mehr Arbeit, aber es bleibt weniger offen.
Eine Angabe fehlt in dieser Liste: die Genauigkeit, also wie nah das Modell am gebauten Bestand liegt. Sprich sie in deiner Anfrage gesondert an. Wie sie entsteht, erklärt der Artikel Wie genau ist ein Bestandsaufmaß?.
Was das für ein Bestandsmodell heißt
Im Neubau entsteht Information in der Planung. Im Bestand muss sie erst erhoben werden. Gerade deshalb lohnt der Blick auf den Zweck: Jede Angabe, die du anforderst, muss jemand vor Ort erfassen oder aus Unterlagen ableiten.
So beschreiben wir unser Bestandsmodell in diesen Begriffen: Die Geometrie zeigt jedes Bauteil in seiner tatsächlichen Form, Größe und Lage. Wir nennen das LOG 300. Bauteileigenschaften wie Material, Brandschutz oder Wärmeschutz sind bewusst nicht enthalten, weil ein Laserscanner sie nicht messen kann. Die Dokumente richten sich nach dem gewählten Datenpaket: das IFC-Modell für die Weiterarbeit im BIM-Programm, CAD-Pläne als DWG und PDF, auf Wunsch die Punktwolke im Format E57. Welches Format wofür passt, liest du im Artikel DWG, IFC, PDF/A, E57.
So beschreibst du deinen Informationsbedarf
Statt einer Stufenzahl beantwortest du in deiner Anfrage sieben Fragen. Das Beispiel zeigt eine typische Umbauplanung im Bestand.
- Zweck. Wofür brauchst du das Modell? Beispiel: Entwurfsplanung für den Umbau eines Wohn- und Geschäftshauses.
- Zeitpunkt. Wann brauchst du die Lieferung? Beispiel: vor Beginn der Vorplanung.
- Beteiligte. Wer liefert, wer arbeitet damit weiter? Beispiel: der Anbieter des Aufmaßes liefert, du und deine Fachplaner nutzen das Modell.
- Objekte. Welche Bauteile und Räume müssen enthalten sein? Beispiel: Wände, Decken, Dach, Stützen, Treppen, Fenster und Türen, Räume aller Geschosse.
- Geometrie. Wie sollen die Objekte dargestellt sein? Beispiel: als Körper in tatsächlicher Form, Größe und Lage, Fenster und Türen mit Rahmen und Flügel, Schichtaufbau nicht nötig.
- Informationen. Welche Angaben brauchst du an den Objekten? Beispiel: keine Bauteileigenschaften, die ergänzt die Planung später selbst.
- Dokumentation. Welche Dokumente gehören dazu? Beispiel: IFC-Modell für die Weiterarbeit im BIM-Programm, dazu die Punktwolke als E57.
Getrennt davon fragst du nach der Genauigkeit und danach, wie sie geprüft wird.
Was du jetzt hast
Du kannst die vier Kürzel einordnen. LOD, LOG und LOI sind Stufenbegriffe aus der Praxis. LOIN ist die Informationsbedarfstiefe nach DIN EN ISO 7817-1:2024, und die kennt keine Stufen. Sie fragt zuerst nach Zweck, Zeitpunkt, Beteiligten und Objekten und beschreibt dann Geometrie, Informationen und Dokumente. Mit der Vorlage oben schreibst du deinen Bedarf so auf, dass jeder Anbieter dasselbe darunter versteht.
